Durch die Darién Gap
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Ich fühle mich noch immer recht schwach. Trotzdem stolpere ich in meinen inzwischen zerrissenen Jeans Richtung Hafen. Die Gassen sind düster und muten unheimlich an. Nichts vom Glanz der Kanalzone ist hier erkennbar. Düstere Gestalten stehen in den dunklen Hauseingängen. Nur wenige scheinen zu arbeiten. Die Hitze gibt mir beinahe den Rest. Zweimal muss ich mich setzen, obwohl die Strecke zum Hafen in weniger als einer Viertelstunde zurückgelegt werden könnte. Ich bin noch nicht recht auf dem Damm. Schon seit zwei Wochen stimmt irgend etwas mit meinem Magen oder Darm nicht mehr. Erneut kommen mir die mahnenden Worte meiner Bekannten und Verwandten in den Sinn: "Pass auf mit den Mahlzeiten und Getränken. Iss nur Gekochtes und denk an die Gefahren!" Alles liebevolle Ratschläge, leider jedoch jenseits jeglicher Realität. Früher oder später kommen in diesen Teilen der Welt Momente, da bekommt man einfach nicht mehr alles Erwünschte, egal wie dick der Geldbeutel auch sein mag. |
auf's Bild klicken zum Vergrössern Panama City: Nichts von dem Glanz der amerikanischen Kanalzone ist hier zu sehen. |
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Dann endlich erreiche ich den Pier. Zwischen leeren Kisten und schmierigen Karren zwänge ich mich zum ersten Schiff durch. Emsiges Treiben verrät, dass der Kahn bald auslaufen wird. Und in der Tat: Noch heute Abend soll's losgehen. Nur leider in die falsche Richtung. Der Hafenkapitän hat mich schön reingelegt; in einer mir bis anhin unbekannten Art Weise, sich unliebsamer Fragesteller zu entledigen. Was bleibt mir anderes übrig, als nun von Schiff zu Schiff zu schlendern und Bestimmungshäfen ausfindig zu machen? Nach drei Stunden gebe ich auf. Keiner fährt auch nur in die Nähe von El Real. Zurück im Hotel erwartet mich Fredi ungeduldig. "Nichts", antwortete ich ihm, ohne erst seine Frage abzuwarten. Es war wie verhext. Bis anhin lief immer alles wie am Schnürchen, so wie wir es uns erhofft hatten. Und jetzt auf einmal stockt alles. "Was meinst Du, Chris, sollen wir den Flug buchen?" "Du weisst, wie ich mich auf diese Dschungel Durchquerung gefreut habe. In wenigen Jahren wird auch dieses Teilstück der Panamericana erstellt sein und die Verbindung von Panama nach Kolumbien hergestellt. Es ist eines der letzten wirklichen Abenteuer in Mittelamerika." |
auf's Bild klicken zum Vergrössern Die umgebauten Nussschalten passen zum verlotterten Pier in Panama City. Natürlich legen hier nicht die grossen Hochseekreuzer an. Vielmehr sind es die kleinen Schiffe, die Küstendörfer mit Waren beliefern. |
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"Hast schon recht, aber die Regenzeit wird uns bestimmt beglücken." "Also, wir buchen auf übermorgen, und versuchen unser Glück morgen ein letztes Mal." Fredi ist mit meinem Vorschlag einverstanden. Was wir kaum zu hoffen wagten, traf ein. Am folgenden Mittag finden wir ein Boot, das Richtung El Real fährt. Wie wir wenige Stunden später mit unseren Rucksäcken am Pier erscheinen, liegt das Boot völlig auf dem Trockenen. Erst am späteren Nachmittag kommt die Flut und da stellt sich heraus, dass der Kahn total falsch beladen wurde. Schwere Zementsäcke vorn, hunderte von Plastikrohren hinten. Das Boot liegt im Wasser, als ob es nächstens auf Tauchstation gehen wolle. Boot kann man diesem Ding ja eigentlich nicht sagen. Es ist schon eher eine ausgebaute, motorisierte Nussschale. Wie dem auch sei, wir bezahlen unsere 6 Dollar und steigen an Bord, respektive "an Plastikrohre" und versuchen, es uns so gemütlich wie nur möglich zu machen. Der Kampf um die besten Plätze hat ohne uns stattgefunden. Der Motor wird gestartet. Das ganze Ding zittert und vibriert. Ein heiseres Tuten aus einem verbeulten Horn, und wir verlassen den Hafen von Panama. Zumindest wollen wir das, aber nach einigen Metern geht es einfach nicht mehr weiter. Fluchend und mit seinen Händen wild in der Luft umherfuchtelnd, stellt der Kapitän fest, dass sein Dampfer immer noch am Pier festgemacht ist. Inzwischen zeigt meine Uhr 19:00. Ursprünglich wollte der Kapitän mit seinem Boot um 15:00 Uhr die angeblich zwölf Stunden dauernde Fahrt in Angriff nehmen. Die wenigen Passagiere, etwa dreissig an der Zahl, sitzen, liegen und stehen dicht an den kleinen kabinenartigen Anbau angelehnt und warten auf die versprochene Verpflegung. Und also tuckert das buglastige, rostige und spielzeughafte Schiffchen munter ins offene Meer hinaus. Rückblickend betrachtet war das Warten im Hafen eigentlich gar nicht so langweilig. Pelikane, nicht die schönen weissen mit dunkelgelben Schnäbeln, sondern hässliche, graubraune und Fregattvögel suchten unentwegt nach Nahrung. Und Nahrung fanden sie genügend. Der Markt mit all seinem Abfall und Dreck lag direkt neben dem Hafen und musste wohl für diese Vögel das kleine Paradies bedeuten. Vogelschwärme kreisten fortwährend und setzten sich ab und zu auf den zinnoberfarbenen Blechfirst des Pier. Sie flogen immer aus der gleichen Richtung an. Kurz vor der Landung, wenn ihnen der Auftrieb abbrach, begannen sie wild zu flattern und mit den Beinen panisch nach Boden zu strampeln. Nur ein Pelikan verfehlte den First; er hüpfte verzweifelt und doch vergeblich rückwärts das steile Dach hinunter und stürzte schliesslich wie ein Sack ins ölige Meer. |
auf's Bild klicken zum Vergrössern Plastikrohre und schielende Passagiere auf der Fahrt über die offene See nach La Palma. |
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