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Es dauert
mehrere Stunden bis wir uns endlich mit einem Jäger auf einen Preis einigen
können. Und dies auch erst nachdem wir ihm ein Ultimatum gestellt haben. Wir waren drauf und dran, diesen
Teil der Reise auch noch zu Fuss zurückzulegen.
Während vier Stunden geniessen wir eine Fahrt durch ein Paradies. Ein
Urwaldfluss, beladene Boote, die uns ab und zu kreuzen. Mächtige Bäume links und
rechts. Ab und zu eine Finca. Manchmal versperren umgestürzte Baumstämme den
Flusslauf und lassen nur eine kleine Rinne zum Passieren offen. Vögel,
vorwiegend Eisvögel (was für ein sinniger Name), begleiten
uns durch ihr Revier. Echsen glotzen von überhängenden Stämmen auf das still
dahin gleitende Boot. Bäume beladen mit schwarzen, rotköpfigen Raupen. Wenige
Wasserschlangen suchen das Weite, bevor wir in ihre unmittelbare Nähe kommen.
Dann auf einmal ist der Fluss ganz mit Bäumen versperrt. Wir sind
in Vijado. Das
Dorf wird ausschliesslich von Schwarzen bewohnt. Die Häuser stehen auf Pfählen,
etwa 50 cm über Boden. Das Gebiet ist topfeben und sumpfig. Viele Mücken
umkreisen uns erneut. Die Feuchtigkeit dürfte ebenfalls die 100 % Grenze
erreichen. Kein Wunder gilt dieses Gebiet als Malaria, Gelbfieber und
Cholerazone.
Wir haben in Boca de Cupe einen Freund des Polizisten von Vijado getroffen.
Also nichts wie los auf die Suche nach diesem Polizisten. Wir fragen, wie
ausgemacht nach Bonilla und erwarten ihn auf dem Polizeiposten. Es folgt ein
Empfang, wie ich ihn bisher nur unter besten Freunden erlebt habe. Ehrliche
Freude bei Bonilla, als wir ihm von seinem Freund eine Grussnachricht
überbringen. Wir werden getreu nach dem Motto, "meine Freunde sind auch deine
Freunde" behandelt. Bonilla führt uns durch "sein" Dorf und im Nu wissen alle Bewohner,
dass die Gringos Freunde des Polizisten sind. Wir werden zur Schule geführt, wo
die Schüler ihre Disziplin demonstrieren. Bonilla kommandiert einige auf und ab.
Sie müssen Sätze nachsprechen und uns im Chor willkommen heissen. Ja, dieser
Bonilla scheint wirklich der Mann im Dorf zu sein. Er entlässt die Schüler nach
Hause und offeriert uns das Schulzimmer als Absteige.
Unterkunft und Schulzimmer in einem. Die Kinder in Vijado lassen uns seit
unserer Ankunft im Dorf nicht mehr aus den Augen. Kochen müssten wir nicht,
meint Bonilla. Seine Freundin wird dies für uns besorgen. Zum Glück gibt es hier
einen kleinen Laden. Wir kaufen ein bringen Bonilla die Lebensmittel zur
Weiterverarbeitung durch seine Freundin. Die Kinder finden es natürlich
ausgesprochen toll, dass sie schulfrei haben, und da wir sozusagen der Grund
ihrer Freude sind, lassen sie es uns auch richtig spüren. Sie umschwärmen uns,
ohne uns auch nur einen Moment Ruhe zu gewähren. Lautes Gegröhle sollte uns von
nun an begleiten. Einige ältere Schwarze bitten uns, mit ihnen am Fussballmatch
teilzunehmen, was wir auch gerne tun. Ich realisiere, dass meine Kondition nicht
gerade hervorragend ist. Aber es tut gut, wieder einmal spielen zu können. Ein
Bad im nahen braunen Fluss krönt den Tag. Für 50 Cents kaufen wir 35 Bananen
und für 10 Cents eine riesige Papaya. Am späteren Abend setzt einmal mehr ein starker Regen
ein und lässt den nahen Fluss rasch über seine Ufer treten. Jetzt wissen wir, warum hier
alle Häuser auf Stelzen stehen. Auch die Mücken sind noch nicht zur Ruhe
gekommen. Sie fliegen pausenlos Attacken gegen uns und wir sehen als einzigen
Ausweg, Tims Zelt im Schulzimmer aufzustellen und uns dort drin zu verkriechen.
Es ist ekelhaft heiss und feucht.
Wir müssen in Vijado bleiben. Der Fluss ist dermassen angeschwollen, dass an
eine Weiterfahrt nicht zu denken ist. Bonilla verspricht uns, für morgen einen
Transport organisieren. Wir hätten Glück, meint er, denn manchmal müsse man hier
mehr als Woche auf ein Boot warten. Er wird auch dafür sorgen, dass wir mit den
Preisen nicht über's Ohr gehauen werden. Wir sind froh, uns endlich einmal auf
jemanden verlassen zu können. Langsam spüre ich die Entbehrungen. Ein sauberes
WC, eine rechte Mahlzeit, Kontakt zu Menschen mit den gleichen Vorstellungen von
Sauberkeit und solchen mit der gleichen Sprache und Mentalität. Ich fühle mich
auch wieder mies. Durchfall behindert meine Gesundheit und Schwächegefühle
ergänzen das Unwohlsein. Eigenartig, dass ich während der grössten Strapazen
nicht mit derartigen Problemen kämpfen musste. Ich freue mich auf das Ende, das
jetzt doch absehbar scheint. Seit beinahe drei Wochen sind wir unterwegs. Dabei
sind wir nicht in bester Verfassung losgezogen. Ich erinnere mich nur zu gut an
die mühsame Zeit in Panama. Pausenloser Lärm der Kinder, die alles in die Finger
nehmen, drehen ausprobieren, was es auszuprobieren gibt, inklusive meine
Gitarre. Ich bin froh, dass ich diese "Seelenbratpfanne" mitgetragen habe. Sie
hat mir manche Stunde verkürzt und oft geholfen, den Kontakt zu den Eingeborenen
herzustellen. |
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In Vijado werden wir von den Kindern
regelrecht belagert.
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Die Niederschläge brachten uns wenigstens
Frischwasser. Immer noch besser als die braune Brühe aus dem nahen
Fluss.
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Auch die Eingeborenen benutzen die
Gelegenheit, das "bessere" Frischwasser einzusammeln. |