| Typ: Struktur Langspielfilm | |
| Genre: Western, Komödie | |
| Regie: George Roy Hill | |
| Protagonisten:
Butch (Paul Newman), Sundance (Robert Redford) Antagonist: Das Gesetz |
Die Struktur:
| 2 | Butch inspiziert die Bank | Einführung Butch |
1. Akt Exposition |
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| 3 | Sundance spielt Karten | Einführung Sundance | |||
| 5 | Tritt in die Eier | 11:29 | |||
| 6 | Erster Zugüberfall | Anstoss | |||
| 10 |
Zweiter Zugüberfall, Auftritt des Supertrupps / Superposse |
27:10 30:00 |
Konfrontation WP 1 |
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| 12 | Flucht beginnt, Versteck bei Fanny | Reise beginnt | Katastrophe |
2. Akt Konfrontation |
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| 13 |
Jagd bei Nacht weiter Hürden |
Hürde | |||
| 15 |
Jagd bei Tag weitere Hürden, schliesslich Sprung von der Klippe |
Hürde | |||
| 17 | Entscheidung bei Etta, nach Bolivien zu flüchten | MWP | Hoffnung | ||
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19 20 |
Bolivien Banken ausrauben ist einfacher als je zuvor |
gutes Leben | |||
| 21 |
Neuer Job, bewachen eines Lohntransports Sundances erste Tötung |
ehrliche Arbeit lohnt sich nicht |
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| 22 | Etta kehrt Heim | WP 2 | |||
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24 25 |
Butch und Sundance werden erkannt und
belagert. Schiesserei auf dem Dorfplatz |
Showdown |
3. Akt Auflösung |
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Militär trifft zur Verstärkung ein. Das war's dann wohl. Standbild eine halbe Sekunde vor dem Tod |
Auflösung Ausgang |
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William Goldmans Kommentar:
Erste Szene führt das Thema ein: 'Die Zeiten ändern sich, und man muss sich mit ihnen ändern - wenn man überleben will'.
Mängel: Zuviel Klugscheisserei, zu viele Umkehrungen (in der Tat), zuviel Effekthascherei, unglaubhafte Szenen. Vor allem aber sagt Goldman: Es geht im Film nicht um das, worum es mir bei Schreiben ging. (vgl. Buchbesprechung und Kurs Lektion 'Prämisse' respektive 'Controlling Idea'.)
Beispiele von Set Ups / Pay Offs:
| Set up | Pay off | |
| Butch spricht 2x von Bolivien | Sie fahren nach Bolivien | |
| Fanny (Puffmutter) verliert Klavierspieler, er zieht in den Krieg | Butch und Sundance wollen auch in den Krieg (Büro von Sheriff Bledsoe) | |
| Handlungsreisender benutzt Bürgerversammlung um Fahrräder anzupreisen | Butch fährt mit Fahrrad vor Ettas Fenster durch | |
| Butch hat mit Etta romantischen Dialog auf dem Fahrrad, Etta 'gehört' aber Sundance | Butch vergnügt sich auf der Flucht mit Hure, Sundance bleibt 'sauber'. Verhältnis Butch, Sundance, Etta gewinnt dadurch an Glaubwürdigkeit |
Ergänzende Bemerkungen, Feststellungen etc:
Story/Ausstatter Goof: Im Showdown erscheint hinter dem Dorfplatz der Popocatepetl, der Hausberg von Mexico City, weit weg von Bolivien. Weder Gebäude, Bahn, Landschaft noch Personen entsprechen auch einer nur im Entferntesten bolivianischen Gegebenheiten. Das einzige verbindende Element dürfte die spanische Sprache sein und selbst da wurde gehadert: Der Capitán befiehlt seine Leute zum Zócalo, das mexikanische Wort für Hauptplatz. In Südamerika heissen dies Plätze "Plaza" (de Armas). (vgl. Realität / Wahrheit und Glaubwürdigkeit)
Ausstatter Goof: Etta wirft in der Fahrradszene eine Hand voll Heu gegen Butch. Diese verwandelt sich in im Flug mirakulös in einen stattlichen Haufen.
Die Sprache von Goldman ist in der Tat sehr schwülstig und voll mit 'Brimborium'. Goldman überzieht dadurch die Szenen immer wieder, lässt sie ausklingen, anstatt sie dem Höhepunkt abzubrechen. Der Cutter hat da aber rigoros durchgegriffen!
Die Szene "Einführung Sundance" scheint ein Paradebeispiel: Jeder einzelne Beat wendet von positiv zu negativ oder umgekehrt, jeder Beat steigert die Spannung. Die Spannung explodiert am Schluss gleich 2 Mal. 1.) Butch nennt Sundance beim Namen, 2) Sundance demonstriert seine Schnelligkeit.
Auf der "Fluchtszene" hat Goldman mit seinem Brimborium nur die Stimmung geschaffen. Die meisten Szenen entspringen aber sichtbar der Teamarbeit Ausstatter, Produzenten, Kameramann und Regisseur. Die Dialoge wurden beibehalten.
Der erster Zugüberfall dauert im Drehbuch 7 Minuten, im Film 2'50 und gewinnt dadurch Tempo. Die Sidestory des Heizers wurde ersatzlos gestrichen.
Ironiebeispiel zum ersten: Die zwei Banditen werden von Banditen überfallen.
Gutes Beispiel für echte Ironie zum zweiten: Butch, Anführer einer nicht gerade zimperlichen Gang, übernimmt zum ersten Mal in seinem Leben einen ehrlichen Job. Und ausgerechnet bei seinem ersten Einsatz muss er zum ersten Mal in seinem Leben einen Menschen erschiessen.
Der zweite Teil (Bolivien) hält sich nur noch von der Struktur her ans Drehbuch. Man findet kaum mehr unveränderte Szenen. Die Dialoge wurden kräftig umgeschrieben und gekürzt und ganze Sequenzen grosszügig gestrichen.
Im Showdown kommt zum Ausdruck, was Regisseur Hill meint, wenn er von zuviel Brimborium spricht. Trotzdem: Gerade dank diesem Brimborium (ich liebe diesen Ausdruck) gelingt es Goldman, dem Leser Bilder zu vermitteln.
Verkaufspreis des Drehbuchs per 1969: 350'000 USD. Auf heute adaptiert sind das ca. 1'000'000 CHF oder mehr.
Meine Lieblingsszene:
Butch: (in gebrochenem Gringo Spanisch) Dejen el dinero y váyanse! legt das Geld hin und verschwindet
Anführer: (ungläubig, beinahe amüsiert) Que dejamos el dinero y nos vayamos? Wir sollen das Geld hinlegen und verschinden?
Butch: El dinero no es nosotros. Es ist nicht unser Geld
Anführer: No, ya no es de ustedes. Ahora es de nosotros. Nein, es ist nicht mehr Ihr Geld. Jetzt ist es unser Geld
Banditen: Claro (lachen) klar
....
Butch: El dinero no es nosotros. Lo necesitamos. Es ist nicht unser Geld. Wir brauchen es.
Anführer: También nosotros los necesitamos. Auch wir brauchen es
Spannend, witzig, treffen - einfach wunderbar (wenn man vergessen kann, dass es sich in Bolivien abspielen sollte).
Anhand solcher Szenen lässt sich zeigen, wie unglaublich schwer Übersetzungen und Synchronisationen sind. Obwohl sich der Text einfach übersetzen lässt, verliert er in der Übersetzung viel von seiner Kraft. Die sprachlichen Feinheiten der Wortwahl, Betonung und des Subtextes verblassen.
Zusammengestellt von Chris Forster