Goldman beschreibt unterhaltsam und witzig wie er als Drehbuchautor die Szene wahrnimmt. Dabei lässt er keinen Zweifel aufkommen, dass Drehbuchautoren nicht mehr sind als ein notwendiges Übel. Er desillusioniert und zeigt an vielen treffenden Beispielen, weshalb das so ist. Die enormen Interessenskonflikte zwischen Studio, Produzenten, Regisseuren, Autoren und Stars sind einleuchtend dargestellt und geben darüber hinaus auch einen - wenn auch sehr oberflächlichen - Eindruck über die Strukturen kommerzieller Filmproduktion.
Kapitel 6, The Stepford Wives, (S.236 ff.) zeigt auf nur 10 Seiten, wie's läuft und worin die Ohmnacht besteht.
In Teil 3 geht Goldman (zweifacher Oscar Preisträger) auf über 150 Seiten auf das Drehbuch von "Butch Cassidy an Sundance Kid" ein. Entsprechend ist es meiner Ansicht nach schon fast zwingend, dass der Leser diesen Film kennt, oder noch besser, Zugriff auf eine DVD Kopie hat. Darauf sind nämlich neben einem Interview mit Goldman auch Anmerkungen, welche sich auf seine Arbeit beziehen, und Probleme welche er beschreibt, werden vom Produzenten und vom Regisseur aufgenommen und aus einer anderen Warte kommentiert.
Teil 4 widmet sich dem Projekt "Da Vinci". Goldman zeigt sehr praxisnah, wie eine Kurzgeschichte (18 Seiten) zu einem Drehbuch adaptiert werden kann. Da steht zuerst die Kurzgeschichte für sich alleine. Dann vermittelt er, welche Überlegungen er sich bei jedem Projekt macht, und wie er vorgeht. Dabei spielt er auf interessante Weise mit möglichen und unmöglichen Variationen. Das Drehbuch beansprucht schliesslich 33 Seiten. Reaktionen, Stellungnahmen und der Input von Ausstatter, Kameramann, Cutterin, Komponist und Regisseur runden den Teil ab und verdeutlichen, dass das Drehbuch jede Berufsgruppe mit anderen, dem Drehbuchautor zum Teil völlig unbekannten Problemen konfrontiert. Sie machen klar und verständlich, weshalb Drehbücher immer und immer wieder geändert werden müssen, selbst während dem Dreh. Eindrücklich veranschaulicht Goldman dass, was für den Autor auf Papier wunderschön funktioniert, für den Kameramann, Komponisten oder sonst wer ein unüberwindbares Problem darstellen kann.
Wohl sind im Buch viele "Does and Don'ts" rund ums Drehbuchschrieben eingeflochten, es dient jedoch vor allem dazu, etwas Licht ins allgemeine Geschäft zu bringen. Wohlverstanden immer aus der Warte des Drehbuchautor!
Stars spielen keine schwachen oder mit Makeln behaftete Charaktere. (53)
Heutzutage muss man alle Pointen dem Star überlassen. (158)
Fertigen Sie Ihre Starbeschreibung (Figuren) .. wie Stretchsocken - in einer Grösse, die jedem passt. (161)
Verankern Sie die Schlüsselrolle, geben Sie dem Star and die Hand was Sie können. (166)
Falls Sie einer Nebenfigur die Exposition überlassen können, dann tun Sie es. (162)
Niemand weiss Bescheid (ob etwas ankommt, gut oder richtig ist). (55)
(Die Tatsache dass Filme an Weihnachten und in den Sommerferien starten, hält Goldman) bis zu einem gewissen Grad für eine Verwechslung von Ursache und Wirkung. (93)
Vergessen Sie nicht, das Filmgeschäft ist wie der Goldrausch. (man weiss nie zum voraus, wo die nächste Motherload liegt) (490)
Die Wahrheit ist prima, Realität noch besser, aber Glaubwürdigkeit ist das allerbeste weil ohne sie Wahrheit und Realität baden gehen (174, vgl. S.331! )
(Manchmal, nach Drehbeginn) braucht man schnell (über Nacht) eine Sequenz, um sie direkt dem Vorspann zu unterlegen (215)
(Über Agenten, Partner, belogen und abgezockt werden erkannte Goldman:) Wäre ich nicht so ein Idiot gewesen, hätte ich Begelman Aussage sofort überprüft (233)
Kein Regisseur kann alles (240)
Wie viel Einfluss hat ein Drehbuchautor? ... gar keinen, wenn es ums Wesentliche geht. (289)
Die einzige und wichtige Lektion ... Drehbücher sind Struktur (477)
Der wichtigste Teil eines jeden Drehbuchs sind die ersten fünfzehn Minuten - so wie es bei jedem Film die letzten fünfzehn sind. (480)
(Kameramann Gordon Willis über das Problem, dass gelegentlich beim Dreh der Kern der Geschichte in den Hintergrund rückt und darob der Fokus verloren wird:) Drehbuchautoren täten gut daran, auf einem losen Blatt eine Seite mit ihren Intensionen beizufügen. (574)
(Regisseur George Roy Hill:) Ich habe nicht viel übrig für Allegorien.... Ich bin schon einigen zweitklassigen Künstlern begegnet die sich wie Mistkerle aufführten, weil sie dachten, dadurch automatisch mit Talent und Integrität versehen zu werden. (591)
(Für Hill hat es in Goldmans Drehbüchern zuviel "Brimborium". Sie sind ihm zu literarisch. Beispiele: "schmerzlich schöner Frühlingstag", Kameraanweisungen, schwülstige Passagen, visuell nicht umsetzbare Empfindungen der Protagonisten usw. 591:) John Schlesinger gefiel das Brimborium nicht, das ich in 'Marathon Man' eingebaut hatte - aber er nahm den Auftrag an. Hill verlor über einem Teil des Brimboriums in 'Butch Cassidy beinahe den Verstand'. (595)
(Meine Erkenntnis:) Wenn das Drehbuch verkauft ist, dann machen die Käufer damit was sie wollen, und nicht das, was in den Gedanken des Autors zurück geblieben ist.